{"id":570,"date":"2023-03-10T20:49:00","date_gmt":"2023-03-10T19:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-woicke.de\/?p=570"},"modified":"2024-01-29T20:50:35","modified_gmt":"2024-01-29T19:50:35","slug":"eugh-beschluss-v-10-maerz-2023-c%e2%80%91607-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-woicke.de\/?p=570","title":{"rendered":"EuGH, Beschluss v. 10. M\u00e4rz 2023, C\u2011607\/22"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-post-excerpt\"><p class=\"wp-block-post-excerpt__excerpt\">Fluggesellschaft, die nie geplant hat, einen bestimmten Flug durchzuf\u00fchren, ist nicht &#8222;ausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen&#8220;. <\/p><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Leitsatz der Kanzlei Woicke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Rechtssache C\u2011607\/22<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht vom Landgericht D\u00fcsseldorf (Deutschland) mit Entscheidung vom 22. Juli 2022, beim Gerichtshof eingegangen am 20. September 2022, in dem Verfahren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eurowings GmbH<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">gegen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Flightright GmbH<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">erl\u00e4sst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DER GERICHTSHOF (Achte Kammer)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">unter Mitwirkung des Kammerpr\u00e4sidenten M. Safjan (Berichterstatter) sowie der Richter N. Pi\u00e7arra und N. J\u00e4\u00e4skinen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generalanw\u00e4ltin: L. Medina,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kanzler: A. Calot Escobar,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">aufgrund der nach Anh\u00f6rung der Generalanw\u00e4ltin ergangenen Entscheidung, gem\u00e4\u00df Art. 99 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs durch mit Gr\u00fcnden versehenen Beschluss zu entscheiden,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">folgenden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beschluss<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1 Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Art. 2 Buchst. b der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 \u00fcber eine gemeinsame Regelung f\u00fcr Ausgleichs\u2011 und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Flugg\u00e4ste im Fall der Nichtbef\u00f6rderung und bei Annullierung oder gro\u00dfer Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295\/91 (ABl. 2004, L 46, S. 1).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2 Es ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen der Eurowings GmbH, einem Luftfahrtunternehmen, und der Flightright GmbH, der Flugg\u00e4ste ihre etwaigen Ausgleichsanspr\u00fcche abgetreten haben, wegen einer Ausgleichsleistung, die Flightright verlangt, weil der von den betreffenden Flugg\u00e4sten gebuchte Flug annulliert worden sein soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtlicher Rahmen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3 In Art. 2 (\u201eBegriffsbestimmungen\u201c) der Verordnung Nr. 261\/2004 hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIm Sinne dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) \u201aausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u2018 ein Luftfahrtunternehmen, das im Rahmen eines Vertrags mit einem Fluggast oder im Namen einer anderen \u2013 juristischen oder nat\u00fcrlichen \u2013 Person, die mit dem betreffenden Fluggast in einer Vertragsbeziehung steht, einen Flug durchf\u00fchrt oder durchzuf\u00fchren beabsichtigt;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4 Art. 5 (\u201eAnnullierung\u201c) der Verordnung bestimmt in den Abs. 1 und 4:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e(1) Bei Annullierung eines Fluges [wird] den betroffenen Flugg\u00e4sten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) vom ausf\u00fchrenden Luftfahrtunternehmen ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen gem\u00e4\u00df Artikel 7 einger\u00e4umt, es sei denn,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">i) sie werden \u00fcber die Annullierung mindestens zwei Wochen vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit unterrichtet, oder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ii) sie werden \u00fcber die Annullierung in einem Zeitraum zwischen zwei Wochen und sieben Tagen vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit unterrichtet und erhalten ein Angebot zur anderweitigen Bef\u00f6rderung, das es ihnen erm\u00f6glicht, nicht mehr als zwei Stunden vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit abzufliegen und ihr Endziel h\u00f6chstens vier Stunden nach der planm\u00e4\u00dfigen Ankunftszeit zu erreichen, oder<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">iii) sie werden \u00fcber die Annullierung weniger als sieben Tage vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit unterrichtet und erhalten ein Angebot zur anderweitigen Bef\u00f6rderung, das es ihnen erm\u00f6glicht, nicht mehr als eine Stunde vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit abzufliegen und ihr Endziel h\u00f6chstens zwei Stunden nach der planm\u00e4\u00dfigen Ankunftszeit zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(4) Die Beweislast daf\u00fcr, ob und wann der Fluggast \u00fcber die Annullierung des Fluges unterrichtet wurde, tr\u00e4gt das ausf\u00fchrende Luftfahrtunternehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5 Art. 7 (\u201eAusgleichsanspruch\u201c) der Verordnung sieht in Abs. 1 vor:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWird auf diesen Artikel Bezug genommen, so erhalten die Flugg\u00e4ste Ausgleichszahlungen in folgender H\u00f6he:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) 400 [Euro] bei allen innergemeinschaftlichen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung von mehr als 1 500 km und bei allen anderen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung zwischen 1 500 km und 3 500 km,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangsverfahren und Vorlagefrage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6 Flightright, der Flugg\u00e4ste ihre etwaigen Ausgleichsanspr\u00fcche abgetreten haben, verlangt von Eurowings nach Art. 5 Abs. 1 Buchst. c und Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 eine Ausgleichszahlung in H\u00f6he von insgesamt 1 600 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7 Die Flugg\u00e4ste hatten bei einem Reiseunternehmen eine Pauschalreise mit Flugbef\u00f6rderung nach Mallorca (Spanien) gebucht. Aus der Vorlageentscheidung geht hervor, dass die Flugg\u00e4ste ausweislich der vom Reiseunternehmen ausgestellten Reiseunterlagen am 14. Juli 2018 von Eurowings mit dem Flug EW 6850 (geplanter Abflug um 19.45 Uhr in Palma de Mallorca [Spanien], geplante Landung um 22.15 Uhr in Hannover [Deutschland]) bef\u00f6rdert werden sollten. Eurowings f\u00fchrte diesen Flug jedoch nicht durch, so dass die Flugg\u00e4ste Hannover im Wege einer Ersatzbef\u00f6rderung mit dem Flug DE 1529 am 15. Juli 2018 um 2.22 Uhr erreichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8 Eurowings macht geltend, einen Flug mit der Flugnummer EW 6850 am 14. Juli 2018 von Palma de Mallorca nach Hannover nie geplant zu haben. Da ein solcher Flug nie existiert habe, k\u00f6nne sie nicht als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 eingestuft werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9 Flightright erhob beim Amtsgericht D\u00fcsseldorf (Deutschland) Klage auf Zahlung der in der Verordnung Nr. 261\/2004 vorgesehenen Ausgleichsleistung. Das Amtsgericht gab der Klage mit der Begr\u00fcndung statt, dass die betreffenden Flugg\u00e4ste \u00fcber eine best\u00e4tigte Buchung im Sinne dieser Verordnung f\u00fcr den Flug EW 6850 von Palma de Mallorca nach Hannover verf\u00fcgten. Die pauschale Behauptung von Eurowings, der im Ausgangsverfahren in Rede stehende Flug habe nie existiert, gen\u00fcge nicht dem Erfordernis, darzutun, warum in der Buchungsbest\u00e4tigung ein konkreter Flug nebst konkreter Flugnummer aufgef\u00fchrt sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10 Auf die Berufung von Eurowings gegen das Urteil des Amtsgerichts D\u00fcsseldorf beim vorlegenden Gericht, dem Landgericht D\u00fcsseldorf (Deutschland), wirft dieses die Frage auf, ob ein Luftfahrtunternehmen als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 eingestuft werden kann, obwohl der \u00fcber ein Reiseunternehmen gebuchte Flug nach den Angaben des Luftfahrtunternehmens nie geplant gewesen sein soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11 Unter diesen Umst\u00e4nden hat das Landgericht D\u00fcsseldorf beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Frage zur Vorabentscheidung vorzulegen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen, dass ein Luftfahrtunternehmen im Verh\u00e4ltnis zu einem Fluggast als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung eingestuft werden kann, wenn der Fluggast mit einem Reiseunternehmen einen Vertrag f\u00fcr einen bestimmten Flug dieses Luftfahrtunternehmens geschlossen hat, ohne dass das Luftfahrtunternehmen einen Flug mit dieser Flugnummer an diesem Tag je geplant hat, wenn ein solcher Flug also nie existent war?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Vorlagefrage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12 Nach Art. 99 seiner Verfahrensordnung kann der Gerichtshof, wenn die Antwort auf die zur Vorabentscheidung vorgelegte Frage klar aus der Rechtsprechung abgeleitet werden kann oder die Beantwortung dieser Frage keinen Raum f\u00fcr vern\u00fcnftige Zweifel l\u00e4sst, auf Vorschlag des Berichterstatters und nach Anh\u00f6rung des Generalanwalts jederzeit die Entscheidung treffen, durch mit Gr\u00fcnden versehenen Beschluss zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">13 Diese Bestimmung ist in der vorliegenden Rechtssache anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">14 Mit seiner Vorlagefrage m\u00f6chte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen ist, dass ein Luftfahrtunternehmen als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung eingestuft werden kann, wenn der Fluggast mit einem Reiseunternehmen einen Vertrag \u00fcber einen bestimmten, durch Flugnummer und Datum konkretisierten Flug dieses Luftfahrtunternehmens geschlossen hat, ohne dass das Unternehmen je einen Flug mit dieser Nummer an diesem Tag geplant hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15 In Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 wird der Begriff \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c definiert als \u201eein Luftfahrtunternehmen, das im Rahmen eines Vertrags mit einem Fluggast oder im Namen einer anderen \u2013 juristischen oder nat\u00fcrlichen \u2013 Person, die mit dem betreffenden Fluggast in einer Vertragsbeziehung steht, einen Flug durchf\u00fchrt oder durchzuf\u00fchren beabsichtigt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">16 Diese Definition stellt demnach zwei kumulative Voraussetzungen f\u00fcr die Einstufung eines Luftfahrtunternehmens als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c auf, und zwar zum einen die Durchf\u00fchrung des betreffenden Fluges und zum anderen das Bestehen eines mit einem Fluggast abgeschlossenen Vertrags (Urteil vom 4. Juli 2018, Wirth u. a., C\u2011532\/17, EU:C:2018:527, Rn. 18).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">17 Im Rahmen der ersten Voraussetzung stellt der Begriff \u201eFlug\u201c das zentrale Element dar. Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs ist darunter ein \u201eLuftbef\u00f6rderungsvorgang \u2026, der somit in gewisser Weise eine \u201aEinheit\u2018 dieser Bef\u00f6rderung darstellt, die von einem Luftfahrtunternehmen durchgef\u00fchrt wird, das die entsprechende Flugroute festlegt\u201c, zu verstehen (Urteil vom 4. Juli 2018, Wirth u. a., C\u2011532\/17, EU:C:2018:527, Rn. 19 und die dort angef\u00fchrte Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">18 Folglich ist als ausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen das Unternehmen anzusehen, das im Rahmen seiner T\u00e4tigkeit der Bef\u00f6rderung von Flugg\u00e4sten die Entscheidung trifft, einen bestimmten Flug durchzuf\u00fchren \u2013 die Festlegung seiner Flugroute und Flugzeit eingeschlossen \u2013 und dadurch ein an Interessierte gerichtetes Angebot f\u00fcr den Luftverkehr zu schaffen. Das Unternehmen, das eine solche Entscheidung trifft, \u00fcbernimmt n\u00e4mlich die Verantwortung f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des betreffenden Fluges, einschlie\u00dflich insbesondere seiner etwaigen Annullierung oder einer etwaigen gro\u00dfen Versp\u00e4tung bei der Ankunft (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 4. Juli 2018, Wirth u. a., C\u2011532\/17, EU:C:2018:527, Rn. 20).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">19 Trifft ein Luftfahrtunternehmen aber keine solche Entscheidung zur Durchf\u00fchrung eines bestimmten Fluges und unterbreitet es kein Angebot f\u00fcr den Luftverkehr, kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Unternehmen beabsichtigte, den Flug im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 durchzuf\u00fchren, so dass es nicht als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung eingestuft werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">20 Diese Situation ist jedoch von derjenigen zu unterscheiden, in der es ein vom Luftfahrtunternehmen unterbreitetes Angebot gibt, das aber seitens des Unternehmens sp\u00e4ter \u00c4nderungen erf\u00e4hrt, die gegebenenfalls zu einer Versp\u00e4tung oder Annullierung des Fluges f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">21 Zum letztgenannten Fall hat der Gerichtshof n\u00e4mlich bereits entschieden, dass bei einem Angebot eines Luftfahrtunternehmens f\u00fcr den Luftverkehr, das dem Angebot entspricht, auf das ein Reiseunternehmen im Rahmen seiner Beziehung zu einem Fluggast zur\u00fcckgegriffen hat \u2013 sei es auch vorbehaltlich etwaiger \u00c4nderungen dieses Angebots \u2013, davon auszugehen ist, dass das Luftfahrtunternehmen im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 einen Flug durchzuf\u00fchren beabsichtigt, so dass es als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung eingestuft werden kann (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 21. Dezember 2021, Azurair u. a., C\u2011146\/20, C\u2011188\/20, C\u2011196\/20 und C\u2011270\/20, EU:C:2021:1038, Rn. 59 und 62).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">22 Es ist Sache des f\u00fcr die W\u00fcrdigung des Sachverhalts der bei ihm anh\u00e4ngigen Rechtssache allein zust\u00e4ndigen vorlegenden Gerichts, zu pr\u00fcfen, ob Eurowings in Anbetracht der oben in den Rn. 18 bis 21 angef\u00fchrten Erw\u00e4gungen kein Angebot f\u00fcr den Luftverkehr oder ein \u2013 gegebenenfalls sp\u00e4ter von ihr ge\u00e4ndertes \u2013 Angebot unterbreitet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">23 Hinzuzuf\u00fcgen ist, dass es, sofern das Luftfahrtunternehmen kein \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 ist und somit keine Ausgleichszahlung nach dieser Verordnung zu leisten hat, dem Fluggast gleichwohl unbenommen bleibt, gegen seinen Vertragspartner, hier das Reiseunternehmen, nach nationalem Recht Klage auf Ersatz des Schadens zu erheben, der ihm durch dessen Handeln entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">24 Nach alledem ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen ist, dass ein Luftfahrtunternehmen nicht als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung eingestuft werden kann, wenn der Fluggast mit einem Reiseunternehmen einen Vertrag \u00fcber einen bestimmten, durch Flugnummer und Datum konkretisierten Flug dieses Luftfahrtunternehmens geschlossen hat, ohne dass das Unternehmen je einen Flug mit dieser Nummer an diesem Tag geplant hat; es kann aber als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung angesehen werden, wenn es ein \u2013 gegebenenfalls sp\u00e4ter von ihm ge\u00e4ndertes \u2013 Angebot unterbreitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kosten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">25 F\u00fcr die Beteiligten des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren Teil des beim vorlegenden Gericht anh\u00e4ngigen Verfahrens; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Gr\u00fcnden hat der Gerichtshof (Achte Kammer) f\u00fcr Recht erkannt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Art. 2 Buchst. b der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 \u00fcber eine gemeinsame Regelung f\u00fcr Ausgleichs\u2011 und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Flugg\u00e4ste im Fall der Nichtbef\u00f6rderung und bei Annullierung oder gro\u00dfer Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295\/91<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ist dahin auszulegen, dass<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ein Luftfahrtunternehmen nicht als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung eingestuft werden kann, wenn der Fluggast mit einem Reiseunternehmen einen Vertrag \u00fcber einen bestimmten, durch Flugnummer und Datum konkretisierten Flug dieses Luftfahrtunternehmens geschlossen hat, ohne dass das Unternehmen je einen Flug mit dieser Nummer an diesem Tag geplant hat; es kann aber als \u201eausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen\u201c im Sinne dieser Bestimmung angesehen werden, wenn es ein \u2013 gegebenenfalls sp\u00e4ter von ihm ge\u00e4ndertes \u2013 Angebot unterbreitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Luxemburg, den 10. M\u00e4rz 2023<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kanzler<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kammerpr\u00e4sident<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">A. Calot Escobar<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M. Safjan<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=261%252F2004&amp;docid=271501&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=886544#ctx1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=261%252F2004&amp;docid=271501&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=886544#ctx1<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fluggesellschaft, die nie geplant hat, einen bestimmten Flug durchzuf\u00fchren, ist nicht &#8222;ausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7],"tags":[],"class_list":["post-570","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eugh","category-urteile"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=570"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/570\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":572,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/570\/revisions\/572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}