{"id":780,"date":"2022-10-03T15:49:00","date_gmt":"2022-10-03T13:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-woicke.de\/?p=780"},"modified":"2025-08-08T11:18:07","modified_gmt":"2025-08-08T09:18:07","slug":"eugh-beschluss-v-3-oktober-2022-c%e2%80%91302-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-woicke.de\/?p=780","title":{"rendered":"EuGH, Beschluss v. 3. Oktober 2022, C\u2011302\/22"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-post-excerpt\"><p class=\"wp-block-post-excerpt__excerpt\">Werden Reifen besch\u00e4digt, weil Startvorgang des Flugzeugs wegen eines Vogelschlags durch Vollbremsung abgebrochen wird, liegen au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde vor. <\/p><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Leitsatz der Kanzlei Woicke.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Rechtssache C\u2011302\/22<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht vom Amtsgericht Eilenburg (Deutschland) mit Entscheidung vom 19. April 2022, beim Gerichtshof eingegangen am 6. Mai 2022, in dem Verfahren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">YS,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">RW<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">gegen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freebird Airlines Europe Ltd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">erl\u00e4sst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DER GERICHTSHOF (Achte Kammer)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">unter Mitwirkung des Kammerpr\u00e4sidenten N. J\u00e4\u00e4skinen sowie der Richter M. Safjan und M. Gavalec (Berichterstatter),<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generalanwalt: N. Emiliou,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kanzler: A. Calot Escobar,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">aufgrund der nach Anh\u00f6rung des Generalanwalts ergangenen Entscheidung, gem\u00e4\u00df Art. 99 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs durch mit Gr\u00fcnden versehenen Beschluss zu entscheiden,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">folgenden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beschluss<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1 Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 \u00fcber eine gemeinsame Regelung f\u00fcr Ausgleichs- und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Flugg\u00e4ste im Fall der Nichtbef\u00f6rderung und bei Annullierung oder gro\u00dfer Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295\/91 (ABl. 2004, L 46, S. 1).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2 Es ergeht in einem Rechtsstreit zwischen YS und RW einerseits und dem Luftfahrtunternehmen Freebird Airlines Europe Ltd. andererseits wegen dessen Weigerung, diesen von einer gro\u00dfen Ankunftsversp\u00e4tung ihres Fluges betroffenen Flugg\u00e4sten einen Ausgleich zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtlicher Rahmen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3 Die Erw\u00e4gungsgr\u00fcnde 1, 14 und 15 der Verordnung Nr. 261\/2004 lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e(1) Die Ma\u00dfnahmen der [Europ\u00e4ischen Union] im Bereich des Luftverkehrs sollten unter anderem darauf abzielen, ein hohes Schutzniveau f\u00fcr Flugg\u00e4ste sicherzustellen. Ferner sollte den Erfordernissen des Verbraucherschutzes im Allgemeinen in vollem Umfang Rechnung getragen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(14) Wie nach dem [am 28. Mai 1999 in Montreal geschlossenen, von der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft am 9. Dezember 1999 unterzeichneten und mit dem Beschluss 2001\/539\/EG des Rates vom 5. April 2001 (ABl. 2001, L 194, S. 38) in ihrem Namen genehmigten \u00dcbereinkommen zur Vereinheitlichung bestimmter Vorschriften \u00fcber die Bef\u00f6rderung im internationalen Luftverkehr] sollten die Verpflichtungen f\u00fcr ausf\u00fchrende Luftfahrtunternehmen in den F\u00e4llen beschr\u00e4nkt oder ausgeschlossen sein, in denen ein Vorkommnis auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde zur\u00fcckgeht, die sich auch dann nicht h\u00e4tten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Ma\u00dfnahmen ergriffen worden w\u00e4ren. Solche Umst\u00e4nde k\u00f6nnen insbesondere bei politischer Instabilit\u00e4t, mit der Durchf\u00fchrung des betreffenden Fluges nicht zu vereinbarenden Wetterbedingungen, Sicherheitsrisiken, unerwarteten Flugsicherheitsm\u00e4ngeln und den Betrieb eines ausf\u00fchrenden Luftfahrtunternehmens beeintr\u00e4chtigenden Streiks eintreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(15) Vom Vorliegen au\u00dfergew\u00f6hnlicher Umst\u00e4nde sollte ausgegangen werden, wenn eine Entscheidung des Flugverkehrsmanagements zu einem einzelnen Flugzeug an einem bestimmten Tag zur Folge hat, dass es bei einem oder mehreren Fl\u00fcgen des betreffenden Flugzeugs zu einer gro\u00dfen Versp\u00e4tung, einer Versp\u00e4tung bis zum n\u00e4chsten Tag oder zu einer Annullierung kommt, obgleich vom betreffenden Luftfahrtunternehmen alle zumutbaren Ma\u00dfnahmen ergriffen wurden, um die Versp\u00e4tungen oder Annullierungen zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4 Art. 5 (\u201eAnnullierung\u201c) der Verordnung Nr. 261\/2004 bestimmt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e(1) Bei Annullierung eines Fluges werden den betroffenen Flugg\u00e4sten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) vom ausf\u00fchrenden Luftfahrtunternehmen ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen gem\u00e4\u00df Artikel 7 einger\u00e4umt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(3) Ein ausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen ist nicht verpflichtet, Ausgleichszahlungen gem\u00e4\u00df Artikel 7 zu leisten, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde zur\u00fcckgeht, die sich auch dann nicht h\u00e4tten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Ma\u00dfnahmen ergriffen worden w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5 Art. 7 (\u201eAusgleichsanspruch\u201c) dieser Verordnung sieht in Abs. 1 Buchst. b vor:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e(1) Wird auf diesen Artikel Bezug genommen, so erhalten die Flugg\u00e4ste Ausgleichszahlungen in folgender H\u00f6he:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) 400 EUR bei allen innergemeinschaftlichen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung von mehr als 1500 km und bei allen anderen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung zwischen 1500 km und 3500 km,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangsrechtsstreit und Vorlagefrage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6 YS und RW hatten einen Flug vom Flughafen Leipzig-Halle (Deutschland) zum Flughafen Heraklion (Griechenland) gebucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7 Dieser Flug wurde mit einer Ankunftsversp\u00e4tung von \u00fcber drei Stunden durchgef\u00fchrt. Freebird Airlines Europe, das ausf\u00fchrende Luftfahrtunternehmen, tritt dem von YS und RW gem\u00e4\u00df Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 geltend gemachten Ausgleichsanspruch mit dem Vorbringen entgegen, diese Versp\u00e4tung sei auf einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umstand beim Start des betreffenden Flugzeugs zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das Flugzeug habe sich im Startlauf befunden und eine Geschwindigkeit von 120 kn (etwa 222 km\/h) erreicht, als es mit V\u00f6geln kollidiert sei. Daraufhin habe der Flugkapit\u00e4n eine Vollbremsung eingeleitet, durch die zwei Reifen \u00fcberhitzt und zerst\u00f6rt worden seien. Die Versp\u00e4tung sei somit nicht durch den Vogelschlag verursacht worden, sondern durch die Zeit, die ben\u00f6tigt worden sei, um die beiden Reifen zu wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8 Das vorlegende Gericht hat Zweifel, ob diese Vollbremsung unter den Begriff \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde\u201c im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 f\u00e4llt, da sie eine mit der Aus\u00fcbung des Luftfahrtbetriebs typischerweise verbundene Handlung sei und vom Flugkapit\u00e4n beherrscht werden k\u00f6nne. Nach Ansicht des vorlegenden Gerichts k\u00f6nnte ein solches Man\u00f6ver jedoch als \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne dieser Vorschrift eingestuft werden, sofern es durch ein Ereignis \u2013 etwa einen Vogelschlag \u2013 verursacht worden sei, das seinerseits einen \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlichen Umstand\u201c im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 darstelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9 Vor diesem Hintergrund hat das Amtsgericht Eilenburg (Deutschland) beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Frage zur Vorabentscheidung vorzulegen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stellt eine Besch\u00e4digung eines Reifens am Flugzeug aufgrund eines Bremsman\u00f6vers auf der Rollbahn, welches wegen eines Vogelschlags eingeleitet wurde, einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umstand im Sinne des Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 dar?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Vorlagefrage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10 Mit seiner Frage m\u00f6chte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen ist, dass der wegen eines Vogelschlags erfolgte Abbruch des Startvorgangs eines Flugzeugs durch eine Vollbremsung, durch die die Reifen des Flugzeugs besch\u00e4digt werden, unter den Begriff \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne dieser Vorschrift f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11 Nach Art. 99 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs kann dieser, u. a. wenn die Beantwortung der zur Vorabentscheidung vorgelegten Frage keinen Raum f\u00fcr vern\u00fcnftige Zweifel l\u00e4sst, auf Vorschlag des Berichterstatters und nach Anh\u00f6rung des Generalanwalts jederzeit die Entscheidung treffen, durch mit Gr\u00fcnden versehenen Beschluss zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12 Da dies hier der Fall ist, ist von dieser Vorschrift Gebrauch zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">13 Zun\u00e4chst ist darauf hinzuweisen, dass nach dem Willen des Unionsgesetzgebers bei Annullierung oder gro\u00dfer \u2013 d. h. drei Stunden oder mehr betragender \u2013 Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen die Verpflichtungen der Luftfahrtunternehmen gem\u00e4\u00df Art. 5 Abs. 1 der Verordnung Nr. 261\/2004 gelten sollen (Urteil vom 4. Mai 2017, Pe\u0161kov\u00e1 und Pe\u0161ka, C\u2011315\/15, EU:C:2017:342, Rn. 19).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">14 Nach den Erw\u00e4gungsgr\u00fcnden 14 und 15 sowie Art. 5 Abs. 3 dieser Verordnung ist das Luftfahrtunternehmen abweichend von Abs. 1 dieses Artikels von seiner Verpflichtung zu Ausgleichszahlungen an die Flugg\u00e4ste gem\u00e4\u00df Art. 7 der Verordnung Nr. 261\/2004 befreit, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung des Fluges bzw. dessen um drei Stunden oder mehr versp\u00e4tete Ankunft auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde zur\u00fcckgeht, die sich auch dann nicht h\u00e4tten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Ma\u00dfnahmen ergriffen worden w\u00e4ren (Urteil vom 4. Mai 2017, Pe\u0161kov\u00e1 und Pe\u0161ka, C\u2011315\/15, EU:C:2017:342, Rn. 20).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15 Nach dem 14. Erw\u00e4gungsgrund dieser Verordnung k\u00f6nnen solche Umst\u00e4nde insbesondere bei Sicherheitsrisiken und unerwarteten Flugsicherheitsm\u00e4ngeln eintreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">16 Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Gerichtshofs werden als \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde\u201c im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004, der eng auszulegen ist, Vorkommnisse angesehen, die ihrer Natur oder Ursache nach nicht Teil der normalen Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit des betreffenden Luftfahrtunternehmens sind und von ihm nicht tats\u00e4chlich beherrschbar sind, wobei diese beiden Bedingungen kumulativ sind und ihr Vorliegen von Fall zu Fall zu beurteilen ist (Urteil vom 23. M\u00e4rz 2021, Airhelp, C\u201128\/20, EU:C:2021:226, Rn. 23 und 24 sowie die dort angef\u00fchrte Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">17 So hat der Gerichtshof entschieden, dass die Kollision eines Flugzeugs mit einem Vogel sowie die dadurch m\u00f6glicherweise verursachte Besch\u00e4digung mangels untrennbarer Verbundenheit mit dem System zum Betrieb des Flugzeugs ihrer Natur oder Ursache nach nicht Teil der normalen Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit des betroffenen Luftfahrtunternehmens und von ihm nicht tats\u00e4chlich beherrschbar sind. Folglich ist diese Kollision als \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 einzustufen (Urteil vom 4. Mai 2017, Pe\u0161kov\u00e1 und Pe\u0161ka, C\u2011315\/15, EU:C:2017:342, Rn. 24).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">18 Ferner hat der Gerichtshof entschieden, dass es unerheblich ist, ob diese Kollision tats\u00e4chlich Sch\u00e4den am betroffenen Flugzeug hervorgerufen hat. Denn das mit der Verordnung Nr. 261\/2004 verfolgte, in ihrem ersten Erw\u00e4gungsgrund genannte Ziel, ein hohes Schutzniveau f\u00fcr Flugg\u00e4ste sicherzustellen, impliziert, dass Luftfahrtunternehmen nicht dazu motiviert werden sollten, die aufgrund eines solchen Zwischenfalls erforderlichen Ma\u00dfnahmen zu unterlassen, indem sie der Aufrechterhaltung und der P\u00fcnktlichkeit ihrer Fl\u00fcge einen h\u00f6heren Stellenwert einr\u00e4umen als deren Sicherheit (Urteile vom 4. Mai 2017, Pe\u0161kov\u00e1 und Pe\u0161ka, C\u2011315\/15, EU:C:2017:342, Rn. 25, und vom 4. April 2019, Germanwings, C\u2011501\/17, EU:C:2019:288, Rn. 28).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">19 Au\u00dferdem hat der Gerichtshof festgestellt, dass ein Reifenschaden, der ausschlie\u00dflich auf die Kollision mit einem Fremdk\u00f6rper auf dem Rollfeld des Flughafens zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, nicht seiner Natur oder Ursache nach als Teil der normalen Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit des betreffenden Luftfahrtunternehmens angesehen werden kann. Angesichts der besonderen Zw\u00e4nge, denen das Luftfahrtunternehmen beim Start und bei der Landung unterliegt, die u. a. mit der Geschwindigkeit, mit der diese durchgef\u00fchrt werden, und dem Gebot der Sicherheit der Flugg\u00e4ste an Bord zusammenh\u00e4ngen, sowie des Umstands, dass die Instandhaltung des Rollfelds nicht in seine Zust\u00e4ndigkeit f\u00e4llt, ist dar\u00fcber hinaus dieser Umstand von ihm nicht tats\u00e4chlich beherrschbar. Folglich f\u00e4llt die Besch\u00e4digung des Reifens eines Flugzeugs durch einen Fremdk\u00f6rper, wie einen umherliegenden Gegenstand, auf dem Rollfeld eines Flughafens unter den Begriff \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 (Urteil vom 4. April 2019, Germanwings, C\u2011501\/17, EU:C:2019:288, Rn. 26 und 34).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">20 Daraus ergibt sich, dass im vorliegenden Fall der wegen der Kollision mit einem Vogel erfolgte Abbruch des Startvorgangs eines Flugzeugs durch eine Vollbremsung, durch die die Reifen des Flugzeugs besch\u00e4digt werden, nicht als Teil der normalen Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit des betreffenden Luftfahrtunternehmens anzusehen und von ihm nicht tats\u00e4chlich beherrschbar ist. Daher ist ein solches Ereignis als \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 einzustufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">21 Jedoch ist darauf hinzuweisen, dass nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung das Luftfahrtunternehmen bei Eintritt eines \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlichen Umstands\u201c von seiner Verpflichtung zu Ausgleichszahlungen an die Flugg\u00e4ste gem\u00e4\u00df Art. 7 der Verordnung Nr. 261\/2004 nur befreit ist, wenn es nachweisen kann, dass es die der Situation angemessenen Ma\u00dfnahmen ergriffen hat, indem es alle ihm zur Verf\u00fcgung stehenden personellen, materiellen und finanziellen Mittel eingesetzt hat, um zu vermeiden, dass dieser Umstand zur Annullierung oder zur gro\u00dfen Versp\u00e4tung des betreffenden Fluges f\u00fchrt, ohne dass jedoch von ihm angesichts der Kapazit\u00e4ten seines Unternehmens zum ma\u00dfgeblichen Zeitpunkt nicht tragbare Opfer verlangt werden k\u00f6nnten (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 4. April 2019, Germanwings, C\u2011501\/17, EU:C:2019:288, Rn. 19 und die dort angef\u00fchrte Rechtsprechung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">22 Insoweit ist es in einer Situation wie der des Ausgangsverfahrens Sache des betreffenden Luftfahrtunternehmens, nachzuweisen, dass es alle ihm zur Verf\u00fcgung stehenden personellen, materiellen und finanziellen Mittel eingesetzt hat, um zu vermeiden, dass der Austausch der durch die Vollbremsung besch\u00e4digten Reifen nicht zur gro\u00dfen Ankunftsversp\u00e4tung des betreffenden Fluges f\u00fchrt; dies zu pr\u00fcfen ist Sache des vorlegenden Gerichts (vgl. entsprechend Urteil vom 4. April 2019, Germanwings, C\u2011501\/17, EU:C:2019:288, Rn. 33).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">23 Nach alledem ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass Art. 5 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen ist, dass der wegen eines Vogelschlags erfolgte Abbruch des Startvorgangs eines Flugzeugs durch eine Vollbremsung, durch die die Reifen des Flugzeugs besch\u00e4digt werden, unter den Begriff \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne dieser Vorschrift f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kosten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">24 F\u00fcr die Beteiligten des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren Teil des bei dem vorlegenden Gericht anh\u00e4ngigen Verfahrens; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Gr\u00fcnden hat der Gerichtshof (Achte Kammer) f\u00fcr Recht erkannt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Art. 5 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 \u00fcber eine gemeinsame Regelung f\u00fcr Ausgleichs- und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Flugg\u00e4ste im Fall der Nichtbef\u00f6rderung und bei Annullierung oder gro\u00dfer Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295\/91<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ist dahin auszulegen, dass<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">der wegen eines Vogelschlags erfolgte Abbruch des Startvorgangs eines Flugzeugs durch eine Vollbremsung, durch die die Reifen des Flugzeugs besch\u00e4digt werden, unter den Begriff \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlicher Umstand\u201c im Sinne dieser Vorschrift f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterschriften<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: <a href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=261%252F2004&amp;docid=266974&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=2242215#ctx1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=261%252F2004&amp;docid=266974&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=2242215#ctx1<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werden Reifen besch\u00e4digt, weil Startvorgang des Flugzeugs wegen eines Vogelschlags durch Vollbremsung abgebrochen wird, liegen au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde vor. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7],"tags":[],"class_list":["post-780","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eugh","category-urteile"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=780"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1206,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/780\/revisions\/1206"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ra-woicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}