{"id":931,"date":"2021-10-06T12:03:00","date_gmt":"2021-10-06T10:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ra-woicke.de\/?p=931"},"modified":"2024-02-08T12:13:27","modified_gmt":"2024-02-08T11:13:27","slug":"eugh-beschluss-v-6-oktober-2021-c%e2%80%91253-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ra-woicke.de\/?p=931","title":{"rendered":"EuGH, Beschluss v. 6. Oktober 2021, C\u2011253\/21"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-post-excerpt\"><p class=\"wp-block-post-excerpt__excerpt\">Ein Flug, der auf einem Ausweichflughafen endet, ist annulliert i.S.d. VO. <\/p><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Leitsatz der Kanzlei Woicke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Rechtssache C\u2011253\/21<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht vom Landgericht Hamburg (Deutschland) mit Entscheidung vom 9. April 2021, beim Gerichtshof eingegangen am 22. April 2021, in dem Verfahren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">FI,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">RE<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">gegen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">TUIfly GmbH<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">erl\u00e4sst<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DER GERICHTSHOF (Neunte Kammer)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">unter Mitwirkung des Kammerpr\u00e4sidenten N. Pi\u00e7arra sowie des Richters D. \u0160v\u00e1by (Berichterstatter) und der Richterin K. J\u00fcrim\u00e4e,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generalanwalt: P. Pikam\u00e4e,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kanzler: A. Calot Escobar,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">aufgrund der nach Anh\u00f6rung des Generalanwalts ergangenen Entscheidung, gem\u00e4\u00df Art. 99 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs durch mit Gr\u00fcnden versehenen Beschluss zu entscheiden,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">folgenden<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beschluss<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1 Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art. 5, 7 und 8 der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 \u00fcber eine gemeinsame Regelung f\u00fcr Ausgleichs- und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Flugg\u00e4ste im Fall der Nichtbef\u00f6rderung und bei Annullierung oder gro\u00dfer Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295\/91 (ABl. 2004, L 46, S. 1).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2 Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen FI und RE auf der einen und der TUIfly GmbH, einem Luftfahrtunternehmen, auf der anderen Seite \u00fcber deren Weigerung, diesen Flugg\u00e4sten, deren Flug zu einem anderen als dem in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Flughafen umgeleitet wurde, Ausgleichsleistungen zu zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtlicher Rahmen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3 Art. 2 (\u201eBegriffsbestimmungen\u201c) der Verordnung Nr. 261\/2004 bestimmt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eIm Sinne dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">l) \u201aAnnullierung\u2018 die Nichtdurchf\u00fchrung eines geplanten Fluges, f\u00fcr den zumindest ein Platz reserviert war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4 In Art. 5 (\u201eAnnullierung\u201c) Abs. 1 dieser Verordnung hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e(1) Bei Annullierung eines Fluges werden den betroffenen Flugg\u00e4sten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) vom ausf\u00fchrenden Luftfahrtunternehmen ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen gem\u00e4\u00df Artikel 7 einger\u00e4umt, es sei denn,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">iii) sie werden \u00fcber die Annullierung weniger als sieben Tage vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit unterrichtet und erhalten ein Angebot zur anderweitigen Bef\u00f6rderung, das es ihnen erm\u00f6glicht, nicht mehr als eine Stunde vor der planm\u00e4\u00dfigen Abflugzeit abzufliegen und ihr Endziel h\u00f6chstens zwei Stunden nach der planm\u00e4\u00dfigen Ankunftszeit zu erreichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5 Art. 7 (\u201eAusgleichsanspruch\u201c) dieser Verordnung sieht in Abs. 1 vor:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWird auf diesen Artikel Bezug genommen, so erhalten die Flugg\u00e4ste Ausgleichszahlungen in folgender H\u00f6he:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) 250 EUR bei allen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung von 1 500 km oder weniger,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) 400 EUR bei allen innergemeinschaftlichen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung von mehr als 1 500 km und bei allen anderen Fl\u00fcgen \u00fcber eine Entfernung zwischen 1 500 km und 3 500 km,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) 600 EUR bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Fl\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Ermittlung der Entfernung wird der letzte Zielort zugrunde gelegt, an dem der Fluggast infolge der Nichtbef\u00f6rderung oder der Annullierung sp\u00e4ter als zur planm\u00e4\u00dfigen Ankunftszeit ankommt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6 Art. 8 (\u201eAnspruch auf Erstattung oder anderweitige Bef\u00f6rderung\u201c) dieser Verordnung bestimmt in Abs. 3:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBefinden sich an einem Ort, in einer Stadt oder Region mehrere Flugh\u00e4fen und bietet ein ausf\u00fchrendes Luftfahrtunternehmen einem Fluggast einen Flug zu einem anderen als dem in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Zielflughafen an, so tr\u00e4gt das ausf\u00fchrende Luftfahrtunternehmen die Kosten f\u00fcr die Bef\u00f6rderung des Fluggastes von dem anderen Flughafen entweder zu dem in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Zielflughafen oder zu einem sonstigen nahe gelegenen, mit dem Fluggast vereinbarten Zielort.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangsrechtsstreit und Vorlagefrage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7 FI und RE buchten bei dem Luftfahrtunternehmen TUIfly einen Flug von Gran Canaria (Spanien) nach Hamburg (Deutschland).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8 Dieser Flug sollte am 8. Juni 2018 um 17.10 Uhr in Gran Canaria abheben und am selben Tag um 22.55 Uhr in Hamburg landen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9 Da der Flug jedoch leicht versp\u00e4tet war, konnte er wegen des Nachtflugverbots nicht in Hamburg landen und wurde zum Flughafen Hannover (Deutschland) umgeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10 Die Flugg\u00e4ste wurden mit dem Reisebus von Hannover nach Hamburg transportiert, wo sie mit einer Versp\u00e4tung von weniger als drei Stunden ankamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">11 Die Entfernung zwischen Gran Canaria und Hamburg betr\u00e4gt nach der Gro\u00dfkreismethode mehr als 3 500 Kilometer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">12 Da TUIfly sich weigerte, die in Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 261\/2004 vorgesehene Ausgleichsleistung in H\u00f6he von 400 Euro pro Person zu zahlen, erhoben FI und RE Klage beim Amtsgericht Hamburg (Deutschland). Mit Urteil vom 24. Juni 2020 gab dieses Gericht den Antr\u00e4gen von FI und RE auf Ausgleichsleistung statt, weil es der Auffassung war, dass die Umleitung des Fluges nach Hannover eine \u00c4nderung des Flugplans darstellte, die einer Annullierung des Fluges gleichkomme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">13 TUIfly legte gegen dieses Urteil beim Landgericht Hamburg (Deutschland) Berufung ein und machte geltend, dass der Flug nicht annulliert worden sei, sondern dass es nur zu einer Ankunftsversp\u00e4tung von weniger als drei Stunden gekommen sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">14 Nach Ansicht des vorlegenden Gerichts h\u00e4ngt die Entscheidung des Ausgangsrechtsstreits davon ab, ob die Umleitung des Fluges zu einem Ausweichflughafen und der darauf folgende Bustransport zum urspr\u00fcnglich vorgesehenen Zielflughafen mit einer Ankunftsversp\u00e4tung von weniger als drei Stunden einer \u201eAnnullierung\u201c im Sinne der Verordnung Nr. 261\/2004 gleichkommt, die einen Ausgleichsanspruch nach Art. 5 Abs. 1 Buchst. c in Verbindung mit Art. 7 dieser Verordnung ausl\u00f6sen kann. Hierzu f\u00fchrt das vorlegende Gericht aus, dass die fragliche Versp\u00e4tung nicht auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Umst\u00e4nde zur\u00fcckzuf\u00fchren sei und der Ausweichflughafen nicht denselben Ort, dieselbe Stadt oder dieselbe Region wie der urspr\u00fcngliche Zielflughafen bedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">15 Unter diesen Umst\u00e4nden hat das Landgericht Hamburg beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Frage zur Vorabentscheidung vorzulegen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sind Art. 5 Abs. 1 lit. c Nr. iii, Art. 7 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 dahin gehend auszulegen, dass eine Annullierung eines Fluges vorliegt, wenn der Flug an einem anderen nicht in der Buchung vorgesehenen Ankunftsflughafen landet, der nicht in derselben Stadt, am selben Ort oder in derselben Region des in der Buchung vorgesehenen Zielflughafens liegt und die Flugg\u00e4ste anschlie\u00dfend von diesem Flughafen mit einem Reisebus zum in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Zielflughafen gebracht werden, den die Flugg\u00e4ste mit einer Ankunftsversp\u00e4tung von weniger als drei Stunden erreichen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Vorlagefrage<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">16 Gem\u00e4\u00df Art. 99 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs kann dieser auf Vorschlag des Berichterstatters und nach Anh\u00f6rung des Generalanwalts jederzeit die Entscheidung treffen, durch mit Gr\u00fcnden versehenen Beschluss zu entscheiden, wenn die Antwort auf eine zur Vorabentscheidung vorgelegte Frage klar aus der Rechtsprechung abgeleitet werden kann oder wenn die Beantwortung einer solchen Frage keinen Raum f\u00fcr vern\u00fcnftige Zweifel l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">17 Da dies hier der Fall ist, ist diese Bestimmung anzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">18 Mit seiner Frage m\u00f6chte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob Art. 5 Abs. 1 Buchst. c, Art. 7 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen sind, dass ein Fluggast einen Ausgleichsanspruch wegen Annullierung hat, wenn sein Flug umgeleitet wurde und auf einem anderen als dem in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Zielflughafen landet, der nicht denselben Ort, dieselbe Stadt oder dieselbe Region bedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">19 Es ist darauf hinzuweisen, dass Art. 2 Buchst. l dieser Verordnung \u201eAnnullierung\u201c definiert als \u201edie Nichtdurchf\u00fchrung eines geplanten Fluges, f\u00fcr den zumindest ein Platz reserviert war\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">20 Hierzu hat der Gerichtshof entschieden, dass es sich bei einem Flug im Wesentlichen um einen Luftbef\u00f6rderungsvorgang handelt, der somit in gewisser Weise eine \u201eEinheit\u201c dieser Bef\u00f6rderung darstellt, die von einem Luftfahrtunternehmen durchgef\u00fchrt wird, das die entsprechende Flugroute festlegt (Urteil vom 10. Juli 2008, Emirates Airlines, C\u2011173\/07, EU:C:2008:400, Rn. 40). Au\u00dferdem ist die Flugroute ein wesentliches Element des Fluges, der nach einem von dem Luftfahrtunternehmen im Voraus aufgestellten Flugplan durchgef\u00fchrt wird (Urteil vom 19. November 2009, Sturgeon u. a., C\u2011402\/07 und C\u2011432\/07, EU:C:2009:716, Rn. 30).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">21 Da der Begriff \u201eFlugroute\u201c somit die Strecke bezeichnet, die das Flugzeug vom Ausgangsflughafen zum Bestimmungsflughafen in einer festgelegten Abfolge zur\u00fcckzulegen hat, reicht es folglich, damit ein Flug als durchgef\u00fchrt betrachtet werden kann, nicht aus, dass das Flugzeug gem\u00e4\u00df der geplanten Flugroute gestartet ist, sondern es muss auch seinen nach dieser Flugroute vorgesehenen Bestimmungsort erreichen (Urteil vom 13. Oktober 2011, Sousa Rodr\u00edguez u. a., C\u201183\/10, EU:C:2011:652, Rn. 28, sowie Beschluss vom 5. Oktober 2016, Wunderlich, C\u201132\/16, EU:C:2016:753, Rn. 21).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">22 Somit kann ein Flug nicht als durchgef\u00fchrt angesehen werden, wenn er zu einem anderen Flughafen als dem urspr\u00fcnglich vorgesehenen Zielflughafen umgeleitet wurde, so dass dieser Flug grunds\u00e4tzlich als annullierter Flug im Sinne von Art. 2 Buchst. l der Verordnung Nr. 261\/2004 anzusehen ist, der einen Ausgleichsanspruch nach Art. 5 Abs. 1 Buchst. c in Verbindung mit Art. 7 dieser Verordnung ausl\u00f6sen kann (Urteil vom 22. April 2021, Austrian Airlines, C\u2011826\/19, EU:C:2021:318, Rn. 36).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">23 In dem besonderen Fall, dass der Ausweichflughafen, zu dem der Flug umgeleitet wurde, denselben Ort, dieselbe Stadt oder dieselbe Region wie der in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehene Zielflughafen bedient, hat der Gerichtshof Art. 5 Abs. 1 Buchst. c, Art. 7 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 3 dieser Verordnung jedoch dahin ausgelegt, dass dieser umgeleitete Flug nicht als \u201eannullierter Flug\u201c anzusehen ist (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 22. April 2021, Austrian Airlines, C\u2011826\/19, EU:C:2021:318, Rn. 37 und 44).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">24 Hierzu hat der Gerichtshof entschieden, dass sich die in Art. 8 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 enthaltenen Begriffe \u201eOrt, Stadt oder Region\u201c weniger auf eine bestimmte nach dem innerstaatlichen Recht festgelegte Verwaltungs- oder politische Einheit unterhalb der gesamtstaatlichen Ebene beziehen, sondern vielmehr auf ein Gebiet, das dadurch gekennzeichnet ist, dass in seiner unmittelbaren N\u00e4he Flugh\u00e4fen vorhanden sind, die es bedienen k\u00f6nnen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 22. April 2021, Austrian Airlines, C\u2011826\/19, EU:C:2021:318, Rn. 23 bis 29).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">25 Im vorliegenden Fall ist das vorlegende Gericht von der Pr\u00e4misse ausgegangen, dass der Flughafen Hannover nicht denselben Ort, dieselbe Stadt oder dieselbe Region bedient wie der in der urspr\u00fcnglichen Buchung als Zielflughafen vorgesehene Flughafen Hamburg und dass er somit nicht die Voraussetzung der unmittelbaren N\u00e4he im Sinne der in der vorstehenden Randnummer des vorliegenden Beschlusses angef\u00fchrten Rechtsprechung erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">26 Daraus folgt, dass der im Ausgangsverfahren in Rede stehende Flug nicht unter Art. 8 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 f\u00e4llt und daher als annulliert im Sinne der in den Rn. 20 bis 22 des vorliegenden Beschlusses angef\u00fchrten Rechtsprechung anzusehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">27 Nach alledem ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass Art. 5 Abs. 1 Buchst. c, Art. 7 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 3 der Verordnung Nr. 261\/2004 dahin auszulegen sind, dass ein Fluggast einen Ausgleichsanspruch wegen Annullierung hat, wenn sein Flug umgeleitet wurde und auf einem anderen als dem in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Zielflughafen landet, der nicht denselben Ort, dieselbe Stadt oder dieselbe Region bedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kosten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">28 F\u00fcr die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem beim vorlegenden Gericht anh\u00e4ngigen Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Gr\u00fcnden hat der Gerichtshof (Neunte Kammer) f\u00fcr Recht erkannt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Art. 5 Abs. 1 Buchst. c, Art. 7 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 261\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 \u00fcber eine gemeinsame Regelung f\u00fcr Ausgleichs- und Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr Flugg\u00e4ste im Fall der Nichtbef\u00f6rderung und bei Annullierung oder gro\u00dfer Versp\u00e4tung von Fl\u00fcgen und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 295\/91 sind dahin auszulegen, dass ein Fluggast einen Ausgleichsanspruch wegen Annullierung hat, wenn sein Flug umgeleitet wurde und auf einem anderen als dem in der urspr\u00fcnglichen Buchung vorgesehenen Zielflughafen landet, der nicht denselben Ort, dieselbe Stadt oder dieselbe Region bedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unterschriften<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=261%252F2004&amp;docid=247736&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=181111#ctx1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/curia.europa.eu\/juris\/document\/document.jsf?text=261%252F2004&amp;docid=247736&amp;pageIndex=0&amp;doclang=de&amp;mode=req&amp;dir=&amp;occ=first&amp;part=1&amp;cid=181111#ctx1<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Flug, der auf einem Ausweichflughafen endet, ist annulliert i.S.d. 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